Die Empörung Heinrichs V. gegen seinen Vater

 

(Leseprobe)

 

 

I. Einleitung

 

 

Heinrich V. wurde im Jahre 1086 als zweiter Sohn von Kaiser Heinrich IV. und seiner Gemahlin Bertha geboren. Der erstgeborene Sohn Heinrichs IV., Konrad, wurde am 30.05.1087 in Aachen zum Mitkönig gekrönt. Doch schon 6 Jahre später, im  Jahre 1093, wandte sich Konrad von seinem Vater ab und wechselte in das Lager der Kirchenreformer unter Papst Urban II. über, der auch geistiger Nachfolger Gregors VII. war. Die Überzeugung der Kirchenreformer, zu denen mächtige und einflußreiche Fürsten gehörten, daß Regelungen, die vom gebannten Kaiser ausgehen, wirkungslos sind, nahm großen Einfluß auf Konrad. Aufgrund dieser Antihaltung der Fürsten gegen seinen Vater sah Konrad seine Königswürde und seinen Herrschaftsanspruch aufs höchste gefährdet.

 

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Der Kaiser soll dabei mit dem Argument gearbeitet haben, Konrad habe nicht dem Vater, sondern der Allgemeinheit Schaden zugefügt; die Fürsten müßten zumindest im Interesse des "Staatswesens" (rei publicae causae) dagegen vorgehen (Vita Heinrici IV., cap.7).

 

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Heinrich V. wurde schließlich am 06.01.1099 in Aachen zum König gekrönt. Heinrich IV. aber (wohl aufgrund der schlechten Erfahrungen mit seinem Sohn Konrad und als Versuch, die Penetration reformkirchlicher und fürstlich-oppositioneller Vorstellungen in das Salierhaus zu unterbinden) nahm ihm den Eid ab, sich zu Lebzeiten des Vaters niemals gewaltsam des Reiches oder des Allodialbesitzes zu bemächtigen; ein Versuch, der letztendlich scheiterte.

 

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Paschalis zeigte sich kompromißlos; er entwickelte ein Rechtsverständnis, das jedweden Anspruch des Kaisers ablehnte. Er erneuerte auf der Lateransynode (Fastensynode) vom März 1102 das Verbot der Laieninvestitur und des Hominiums (= Lehensunterwerfung der Bischöfe) und verhängte erneut und für immer den Kirchenbann über Heinrich IV. sowie über dessen Anhänger; somit war folglich auch Heinrich V. vom Bann betroffen. Obwohl Heinrich IV. sogar dazu bereit war, das Kreuz zu nehmen, wenn er dafür vom Bann gelöst worden wäre, blieb Paschalis II. hart.

 

 

 

II. Die Rebellion oder "Empörung" Heinrichs V.

 

 

1. Die Gründe

 

In der Folgezeit versuchte Papst Paschalis II. mit Nachdruck und erfolgreich, die deutschen Fürsten wieder auf seine Seite zu ziehen. Er forderte sie in einer Vielzahl von Briefen auf, sich von Heinrich IV. (perverso capiti) abzuwenden und zur rettenden, rechtsgläubigen Mutter Kirche heimzukehren.

 

Ø      Die Kerngruppe der Adligen, die Heinrich V. zur Rebellion gegen seinen Vater bewegten, waren im besonderen Maße Anhänger der Kirchen- und Klosterreform. Zu dieser Gruppe gehörte eine Vielzahl von Grafen, die wohl tatsächlich aus tiefreligiöser Überzeugung heraus handelten. In einem Brief des Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen und anderer sächsischen Grafen vom Dezember 1104 / Januar 1105 an einen Grafen B. (gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit Berengar von Sulzbach) heißt es: Man müsse Schritte unternehmen, denn "niemand ist in der Sintflut gerettet worden außerhalb der Arche, welche die Gestalt der Kirche trug" (Nullus salvatus est in diluvio extra archam, quae figuram gerebat ecclesiae, Jaffé, Bibliotheca 5, Nr. 116). Somit war nicht einfach Machtstreben ihr Motiv, sondern es ging ihnen um ein existenzielles Anliegen: Die Rettung der Seelen.

 

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Ein weiterer, gewichtiger Grund für die Opposition des Adels gegen den Kaiser war wohl das bereits erwähnte Reichslandfriedensgesetz. Heinrich IV. hatte dieses Gesetz nicht zuletzt im Zuge der Vorbereitung für den Papst Paschalis II. angebotenen Kreuzzug auf dem Reichstag in Mainz am 06.01.1103 erlassen. Das Gesetz verbot u.a. für die Dauer von 4 Jahren alle Fehden und stellte Zuwiderhandlung unter schwere Strafen (bis hin zur Schleifung der Burg). Obwohl  dieses Gesetz die Akzeptanz der mächtigsten Fürsten erhielt und der Adel den Frieden beschwor, sah sich dieser (gemeint ist der Hochadel) jedoch durch die erweiterte königliche Gerichtsbarkeit in seinen Eigeninteressen gegenüber den Bauern, Städten und vor allem gegenüber den verachteten Ministerialen bedroht, die sich in immer stärkeren Maße eine reale Machtposition schufen; nicht zuletzt war der Adel über das Verbot des Fehderechtes aufgebracht, da er sehr "fehdefreudig" war und sich auf dieses Weise die Macht und der Besitz eines manchen Adeligen vergrößern ließ.

 

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3. Die Rebellion

 

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" ... Auch der Kaiser [Heinrich IV.] beschloß, mit seinen Getreuesten zum Reichstag zu kommen.[...] Als seine Gegner das erfuhren, bangten sie für sich und ihre Sache.[...] Sie rieten deshalb dem König zu folgender List: er solle seinem Vater entgegeneilen, sich ganz zerknirscht gebärden [...], um Gnade flehen und beteuern, es schmerze ihn, so schlimmen Einflüsterungen nachgegeben zu haben, er sei zu jeder Genugtuung bereit, wenn er nur wieder Gnade fände. Biete sich dann Gelegenheit zu einer neuen List, so solle er sie benützen, wenn nicht, [...] so solle die Heuchelei zur Wahrheit werden. [...]" 

 

 

 

III. Die Ereignisse nach dem Tod des Kaisers

 

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In demselben Maße, in dem ihn zuvor das Bitten seines Vaters um Mitleid ungerührt ließ, sorgte Heinrich V. nun dafür, dessen Lösung vom Kirchenbann zu erwirken. Endlich, nach seiner Kaiserkrönung in Rom im Jahr 1111 gelang es Heinrich, seinen Vater an dessen 5. Todestag, am 07.08.1111 in der Kaisergruft des Domes zu Speyer "[...] mit allen kirchlichen Ehren und in unerhörter Pracht [...]" (Wilhelm von Giesebrecht)

beizusetzen, nachdem er dem Papst das Investiturrecht, um das sein Vater so lange gestritten hatte, abgezwungen und ihn dazu genötigt hatte, den Bannfluch von Heinrich IV. zu nehmen.

 

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