Der "Armenkreuzzug"

 

(Leseprobe)

 

 

Vorwort

 

„..verjagt dieses verbrecherische Volk rechtzeitig von unseren Ländern und steht den Christen bei..."

(Papst Urban II., Aufruf zur christlichen Heerfahrt gegen die Türken, nach Fulcher von Chartres)

 

„Dieses Land ist von Gott den Söhnen Israels zum Eigentum gegeben worden, wo Milch und Honig fließen, wie die Schrift sagt. Jerusalem ist der Nabel der Welt, das Land ist fruchtbarer als andere, ein zweites Paradies der Lustbarkeiten."

(Papstrede, nach Robert dem Mönch)

 

 

I. AUFBRUCH DER ARMEN

 

DIE KRIEGSERKLÄRUNG

 

Clermont, Frankreich, 18.– 27. November 1095. In der Hauptkirche von Clermont tagt ein Konzil; unter Vorsitz von Papst Urban II. werden finanzielle und organisatorische Angelegenheiten der französischen Kirche erledigt. Dann wettert der Papst vor dreihundert Bischöfen und Äbten gegen den Kaiser und den Gegenpapst, fordert die Befreiung der Kirche von aller weltlichen Gewalt und die Einhaltung des Gottesfriedens. Am Ende ruft er die Anwesenden auf, einen Kriegszug zur Vertreibung der Türken aus Kleinasien zu predigen (Chronist Fulcher von Chartres).

 

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II. DIE BEGRÜNDUNG

 

Laut Fulcher schildert der Papst die türkische Landnahme so:

 

„... sie haben die Länder der Christen mehr und mehr besetzt und diese siebenfältig besiegt, wobei viele getötet oder gefangengenommen wurden, Kirchen zerstört, worden sind und das Reich Gottes verwüstet wurde. Wenn Ihr sie weiter gewähren laßt, werden sie noch viel weiter die Oberhand über die Getreuen Gottes gewinnen."

 

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IV. DER AUFBRUCH

 

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Papst Urban II. hat die Entwicklung zu einem Massenaufbruch wohl mit einiger Sorge beobachtet. Zwar begrüßt er das Vorhaben, die Fahrt nach Jerusalem anzutreten, macht aber deutliche Einschränkungen. Gegen die populäre Ausweitung des Bußerlasses und die Zusage irdischen Zugewinns hat Urban nichts unternommen. Die weiteren Handlungen des Papstes lassen erkennen, daß er Berufskrieger zur Kreuzfahrt bewegen wollte, die um der Sache willen kämpfen sollten. Es gibt noch eine zweite Version, nach der die Begeisterung zum Kreuzzug schon ausgebrochen war, bevor die Kirche sich der Sache annahm.

 

 

 

V. DIE VISIONEN EINES EINSIEDLERS

 

Unbestritten der erfolgreichste Prediger war Peter der Einsiedler aus dem französischen Amiens. Er neigte nicht zur Reinlichkeit, war ärmlich gekleidet, aß kein Fleisch, ging barfuß, wenn er nicht auf seinem Esel ritt und trank gern Wein. In den überlieferten Kreuzzugschroniken seiner Zeitgenossen wird Peters Auftreten nur beiläufig erwähnt. Nach Albert von Aachen hat nicht die Kirche, sondern Peter den Kreuzzug in die Wege geleitet.

„Ein Priester und früherer Einsiedler mit dem Namen Peter... hat zuerst zu diesem Zuge aufgerufen..."

 

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VII. ERSTE ZWISCHENFÄLLE

 

Als Reiseweg kam nur die Landroute über Ungarn, durch den Balkan und durch Kleinasien in Frage. Von Belgrad bis Konstantinopel hofften die Pilger auf die Unterstützung der byzantinischen Behörden. Der König von Ungarn stand dem Unternehmen wohlwollend gegenüber.

Ein Vortrupp unter einem Ritter namens Walter Sans-Avoir (Habenichts) durchquert Ungarn ohne Schwierigkeiten und erreicht Ende Mai 1096 die Grenze zum byzantinischen Reichsgebiet bei Belgrad. In der ungarischen Grenzstadt Semlin kommt es zu Händeln mit den Einheimischen auf dem Markt. Sechzehn Kreuzfahrer der Nachhut werden dabei vollständig ausgeraubt.

Splitternackt kommen sie im Lager der Kreuzfahrer vor der byzantinischen Stadt Belgrad an. Der Statthalter weiß nichts von einem Kreuzzug. Wenn Kaiser Alexios in Konstantinopel überhaupt mit einem Kreuzheer rechnete, dann erst Monate später. Der byzantinische Beamte ist also ohne Anweisungen und weigert sich, den unbekannten Trupp mit Lebensmitteln zu beliefern. Darauf beginnen die Kreuzfahrer mit der Selbstversorgung. Albert von Aachen notiert:

"Walter und seine Begleiter wurden zornig und raubt mit Gewalt das Vieh, das vor der Stadt weidete. Es kam zu Feindseligkeiten zwischen den Griechen, die ihr Herden zurückgewinnen wollten und den Pilgern, und man hob an, die Klingen zu kreuzen."

 

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IX. KONSTANTINOPEL

 

Byzanz, von Kaiser Konstantin zur Hauptstadt Ostroms erhoben, und nach ihm Konstantinopel genannt, war die größte und reichste Stadt der Welt. Das byzantinische Reich wurde zwar ständig von inneren Krisen geschüttelt und hatte Kleinasien an die Türken verloren; war aber militärisch und ökonomisch noch immer eine Weltmacht. Peter der Einsiedler wurde von Kaiser Alexios empfangen und erhielt ein Vermögen in Goldstücken als Geschenk. Der Kaiser schlug vor, die Weiterreise durch türkisches Gebiet zu verschieben, bis weitere Truppenteile in Konstantinopel eintreffen würden.

 

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X. JUDENPOGROME IM RHEINLAND

 

Die Prediger hatten dazu aufgefordert, gegen die »Feinde Gottes« vorzugehen. Nun fallen Kreuzfahrer und Einheimische über die jüdischen Gemeinden her. Sie übertreten dabei sowohl kirchliches als auch weltliches Recht. Albert von Aachen äußert sich mit Empörung über die Angriffe auf die jüdischen Gemeinden:

Ich weiß nicht, ob es nach Gottes Ratschluß oder aus der Verirrung des Geistes geschah: Sie erhoben sich m einem Anfall von Grausamkeit gegen das jüdische Volk, das zerstreut in verschiedenen Städten wohnt und richteten ein höchst grausames Blutbad an."

  

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XI. DIE UNGARN SCHLAGEN ZURÜCK

 

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Ähnlich ergeht es einem Trupp, der vorher die jüdische Gemeinde in Prag überfallen hatte. Die Geduld der Ungarn ist offenbar zu Ende. Als Graf Emicho mit seiner Gefolgschaft kurz darauf im ungarischen Wieselburg ankommt, läßt der König die Brücke über den Donauarm sperren. Wochenlang versuchen die Kreuzfahrer die Brücke zu stürmen. Als sie schließlich die ersten Mauern überwinden und siegreich scheinen, wendet sich das Pilgerheer ohne erkennbaren Grund zur Flucht. Diese Chance nutzen die Ungarn ihrerseits zum Gegenangriff. Nur einige Berittene des Kreuzfahrertrupps können entkommen. Graf Emicho von Flonheim reitet nach Hause. Über das Ableben des verhinderten Kreuzritters liegt eine Nachricht vor. Die Kölner Königschronik vermerkt: „1117. Friedrich, Herzog von Schwaben, hat ein schweren Kampf mit den Mainzern zu bestehen. Dabei wird Graf Emicho erschlagen."

 

 

XII. AUCH KAISER ALEXIOS WIRD UNWILLIG

 

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Ein Autor der Gesta Francorum:

Diese Christen benahmen sich niederträchtig, plünderten die Stadtpaläste und zündeten sie an, stahlen das Blei von den Kirchendächern und verkauften es... Schließlich wurde es dem Kaiser zuviel und er befahl die Überquerung des Bosporus."

 

 

XIV. DAS ENDE

 

Daraufhin fällt im Lager der Kreuzfahrer trotz des Widerstands einiger Besonnener die Entscheidung, die Türken anzugreifen. Ein türkisches Heer kommt entgegen, schlägt die bewaffneten Kreuzfahrer und greift das Lager an. Übereinstimmend berichten die Chronisten, daß im Lager der Christen alle getötet wurden, die als Sklaven nicht in Betracht kamen. Albert von Aachen beschreibt das Gemetzel:

Sie töteten mit dem Schwert, was sie an Mühseligen und Schwachen jeden Alters fanden, Priester und schwangere Frauen, Mönche und Säuglinge. Nur zarte Mädchen und Nonnen ...und bartlose junge Männer, schön und anmutig von Gesicht, verschonten sie und führten sie weg in Gefangenschaft."

 

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